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Gesunder Menschenverstand in unseren Kindergärten

Seit gut einem Jahr sind die Kindertageseinrichtungen St. Marien und Pusteblume in Lügde und die Einrichtungen in Falkenhagen und Sabbenhausen damit beschäftigt, „Qualitätsmanagement“ einzuführen. Am vergangenen Dienstag wurde in einer Veranstaltung im Rathaus Lügde der Stand des Projektes vorgestellt. Wir haben mit dem Fachberater Dr. Volker Knauer, der die Kitas dabei unterstützt, das nachfolgende Gespräch geführt:

Lippe-Blog: Qualitätsmanagement in Kindergärten – was muss man sich darunter denn vorstellen?

Knauer: QM heißt eigentlich nichts anderes als sicherstellen, dass wir das, was wir uns vorgenommen haben auch wirklich erreichen. Also: wir überlegen uns zuerst mal: Was ist unser Ziel? Dann nutzen wir unsere vorher durchdachten Abläufe und Hilfsmittel, um dieses Ziel zu erreichen. Und am Schluss prüfen wir nach: Hat es geklappt? Kam das heraus, was wir uns vorgenommen hatten? Wenn das nicht der Fall ist überlegen wir: Wo könnte man beim nächsten Mal etwas anders und vielleicht besser machen?

Lippe-Blog: Können Sie mal ein Beispiel nennen, wie das praktisch in Kitas aussehen könnte?

Knauer: Nehmen wir mal als Beispiel ein Elterngespräch. Vor dem Gespräch sollte man sich überlegen: Was wollen wir erreichen? Geht es nur darum, die Eltern darüber zu informieren, wo ihr Kind steht? Oder ist es nötig, die Eltern dazu zu bringen, zusammen mit der Einrichtung und evtl. mit externen Therapeuten an Defiziten des Kindes zu arbeiten? Wenn das Gesprächsziel klar ist, müssen alle Informationen, Aufzeichnungen usw. zusammengesucht werden, die im Gespräch evtl. benötigt werde. Im Gespräch sollte dann klar sein: Wie wird argumentiert? Was wird protokolliert? Wird mit den Eltern evtl. eine Vereinbarung für gemeinsame Erziehungsaktivitäten geschlossen? Soll diese Vereinbarung schriftlich erfolgen? Am Ende des Gespräches wird es in den meisten Fällen hilfreich sein, die Eltern zu fragen: Wie das jetzt für sie? Was hätten Sie sich im Gespräch anders gewünscht? Nach dem Gespräch ist es dann wichtig sich in der Kita darüber auszutauschen: Ist das Gespräch aus unserer Sicht gut gelaufen? Haben wir erreicht, was wir uns vorgenommen haben? Was war gut, was war verbesserungsbedürftig? Wie gehen wir mit der Bewertung des Gespräches durch die Eltern um? Das, was wir aus dem Verlauf dieses Gesprächs gelernt haben, sollten wir dann möglichst beim nächsten Gespräch bereits nutzen.

Lippe-Blog: Aber das ist ja alles im Grunde ganz selbstverständlich.

Knauer: Genau so ist es: Qualitätsmanagement besteht zu einem großen Teil aus dem Einsetzen von gesundem Menschenverstand und aus dem Arbeiten nach Abläufen, die sich als gut und zielführend herausgestellt haben.

Lippe-Blog: Gibt es noch andere Punkte, die bei QM wichtig sind?

Knauer: Ganz entscheidend beim QM ist der Begriff der „Kundenorientierung“. Bei einer Bäckerei ist es ganz einfach zu sagen, wer der Kunde und wer der Lieferant ist. Bei einer Kita ist es nicht ganz so einfach. Wer sind also die „Kunden“ einer Kita? Das sind natürlich in erster Linie die Kinder und die Eltern. Aber es gibt noch eine ganze Reihe von anderen Personen und Institutionen, die ein berechtigtes Interesse daran haben, wie die Arbeit in einer Kita gemacht wird und was dabei herauskommt. Da sind z. B. die Grundschulen, die irgendwann die Kinder übernehmen. Oder das Jugendamt, das Schulamt, Fachschulen, die Praktikantinnen schicken wollen usw. Es ist für die Einrichtung wichtig, zu wissen, was die jeweiligen Erwartungen sind, und zu versuchen, dies bei der praktischen Arbeit zu berücksichtigen.

Lippe-Blog: Lassen Sie uns jetzt zum Projekt kommen. Was passiert denn in den Einrichtungen im Moment?

Knauer: Der Kreis Lippe hat ein Projekt angestoßen, an dem sich 14 verschiedene Kitas beteiligen und das der Kreis auch finanziell unterstützt. Vier der beteiligten Kitas sind die Lügder Einrichtungen sind St. Marien, Pusteblume, Falkenhagen und Sabbenhausen. Zurzeit sind die Einrichtungen dabei, ihre wichtigsten Abläufe durchzusprechen und im Detail aufzuschreiben, wie bestimmte Dinge getan werden sollen. Ein Beispiel: Das Kinderbildungsgesetz des Landes NRW verlangt, dass systematische Beobachtungen der Kinder durchgeführt werden und die Entwicklung der Kinder dokumentiert wird. In allen beteiligten Einrichtungen wird nun der Ablauf „Beobachtung und Entwicklungsdokumentation“ zu Papier gebracht. Wie oft werden die Kinder durch wen beobachtet, was wird dabei genau angeschaut, was ist wie zu dokumentieren. Dieser Ablauf wird im jeweiligen Team besprochen, und manchmal ergeben sich dabei heiße Diskussionen. Alle sind zunächst davon ausgegangen, dass sie sich sowieso einig sind. Wenn die Abläufe aber aufgeschrieben werden sollen zeigt sich schon gelegentlich, dass ganz unterschiedliche Vorstellungen vorhanden waren. Im Projekt wird eine gemeinsame Vorgehensweise vereinbart. Auf diese Weise werden nach und nach alle wichtigen Themen in der Kita bearbeitet.

Lippe-Blog: Was ist bei dieser Arbeit neu für die Erzieherinnen? Gibt es Dinge, mit denen sie Mühe haben?

Knauer: Das Hauptproblem war von Anfang an, dass dieses Projekt zusätzlich zur Alltagsarbeit angegangen werden musste, obwohl viele bereits „am Anschlag“ arbeiten. Ich kann nur sagen: Respekt, wie dies in den meisten beteiligten Einrichtungen zusätzlich geschultert wird! Natürlich gab es daneben auch fachliche Schwierigkeiten. Beispiel Kundenorientierung: es musste erst mal in die Köpfe rein, dass es ziemlich viele „Kunden“ gibt, die begründete Erwartungen an die Kita haben. Ein weiterer Punkt ist das „Denken in Prozessen“: Wir betrachten nicht einzelnen Aktivitäten, sondern immer ganze Abläufe. Am meisten Probleme gab und gibt es aber immer noch, wenn es um das Messen der Zielerreichung. Es sollte immer wieder die Frage gestellt werden: Woran kann ich erkennen, ob das, was ich gerade gemacht habe, gut war? Kann ich vielleicht sogar messen, wie gut es war? Und wenn ich feststelle, dass ich nicht so gut war, wie ich mir vorgenommen hatte: Was kann ich tun um mich zu verbessern? Diese methodische Vorgehensweise ist für die meisten neu.

Lippe-Blog: Was haben Eltern und Kinder davon, wenn in einer Kita ein QM-System eingeführt ist?

Knauer: Eigentlich sollten die Eltern sehr schnell die Kundenorientierung spüren. Wenn QM richtig läuft, wird man sie immer mal wieder nach ihrer Meinung und nach ihren Wünschen fragen. Die Erzieherinnen werden sich selbst dazu „erziehen“, noch geplanter und zielorientierter zu arbeiten und immer wieder in Frage stellen, ob das gut war, was sie getan haben. Sie werden mehr Zeit für die pädagogische Arbeit haben, weil die Abläufe zunehmend optimiert werden und gute Hilfsmittel geschaffen werden. Die laufenden Verbesserungen werden sich nicht zuletzt an der Zufriedenheit der Kinder und der Eltern zeigen.

Lippe-Blog: Wie soll es weitergehen?

Knauer: Das weitere Vorgehen wird natürlich ganz wesentlich davon abhängen, wieviel Zeit in den Einrichtungen „freigeschaufelt“ werden kann. Geplant ist, in den nächsten Monaten das Beschreiben der wichtigsten Abläufe abzuschließen. Wenn in diesem Zusammenhang dann auch festgelegt ist, wie die Qualität dieser Abläufe gemessen und verbessert werden kann, geht es darum, in der festgelegten Weise zu arbeiten. Um feststellen zu können, wo eine Einrichtung im Moment steht, haben wir Ende des letzten Jahres eine Methode zur Selbstbewertung eingeführt. Die Einrichtungen können anhand eines Fragenkatalogs, den sie bearbeitet, erkennen, ob sie sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert haben und wo es den dringendsten Handlungsbedarf gibt.

Lippe-Blog: Ist daran gedacht, die QM-Systeme zertifizieren zu lassen?

Knauer: Die QM-Systeme werden nach den Prinzipien der internationalen Norm ISO 9001 aufgebaut und könnten später tatsächlich zertifiziert werden. Dies ist aber ziemlich teuer und eigentlich ist ja nicht das Zertifikat wichtig, sondern wie gearbeitet wird. Im Moment wird eine Zertifizierung deshalb nicht diskutiert.

Lippe-Blog: Vielen Dank für das Gespräch.

Da tut sich was – machen Sie mit! [Aktualisiert]

Wir werden in den nächsten Wochen die Blog-Seite des Familienzentrums neu gestalten. Es geht darum, die Themen, die Informationen und das äußere Erscheinungsbild
kritisch zu hinterfragen. In der letzten Woche haben die Leiterinnen des Familienzentrums mit Herrn Oosterhoff gemeinsam an diesem Thema gearbeitet. Viele Fragen
wurden dabei diskutiert: Wer liest diese Texte? Was wollen wir damit bezwecken? Wen wollen wir erreichen? Was ist das Ziel? Lohnt sich der Aufwand?

In einem Punkt waren sich alle einig: Internet ist ein Medium auf das wir nicht mehr verzichten wollen.

Unterstützen Sie uns bei diesem Projekt! Es wäre bei der Neugestaltung hilfreich, wenn wir genau wüssten, was Ihnen am heutigen Blog gefällt und welche Ideen und
Wünsche Sie haben.

Teilen sie uns ihre Meinung im Kommentarfeld mit. Wir freuen uns über jede Zuschrift!

Qualitätsmanagement-Dschungel

Braucht denn eine Kindertagesstätte überhaupt ein Qualitätsmanagement? Diese Frage hat sich uns auch gestellt und wir haben uns mit Unterstützung eines Vertreters des Jugendamtes und einer externen Fachkraft informiert.

Durch ein Qualitätsmanagement wird die bei uns geleistete Arbeit transparenter. Es wird schriftlich niedergelegt, welche Dienstleistungen wir anbieten und auch der Ablauf wird genau festgelegt. Somit ist die Qualität unserer Arbeit gewährleistet und für unsere Kunden, also Eltern als auch Kinder, immer nachvollziehbar.

Wir haben uns aus diesen Gründen dafür entschieden, ein Qualitätsmanagement für unsere Einrichtung zu entwickeln. Dies ist ein nicht endender Prozess, dabei werden Verbesserungen immer wieder angestrebt und das Qualitätsmanagement soll so für qualitativ hochwertige und nachvollziehbare Arbeit sorgen.

Auch wenn das natürlich wieder Arbeit für uns bedeutet, ist uns die Qualität unserer Tätigkeit sehr wichtig. Wir haben bereits die Punkte Beobachtungen und Nachmittagsangebote erarbeitet und in Kürze geht es mit anderen Themen weiter. Aktuelle Informationen zum Stand unseres Qualitätsmanagements finden Sie immer wieder hier in unserem blog.